tds
Aquaristik allgemein Schnecken Wirbellose Wissen

Aquarienschnecken – eine kleine Übersicht

Schnecken sind in Gesellschafts-, Fisch- und Garnelenbecken beliebte Begleiter, und es soll sogar Menschen geben, die sich ein reines Schneckenbecken einrichten. In diesem Artikel möchte ich mich auf Schnecken beschränken, die sich im Aquarium nicht nur halten, sondern auch vermehren lassen.

Übersicht

Beginnen wir mit Schnecken, die man oft mit Pflanzen als unfreiwillige Zugabe bekommt …

Posthorn-, Schlamm- und Blasenschnecken haben einen relativ schlechten Ruf, sie gelten als ausgesprochen vermehrungsfreudig. Allerdings vermehren sie sich eigentlich nur dann extrem, wenn sie viel Futter vorfinden. In einem einfahrenden Becken hat man das nicht immer in der Hand, wenn viele Pflanzen vergammeln oder die Algen blühen – aber sobald das Becken im Gleichgewicht ist, kann man die Zahl der Schnecken durch Füttern (oder eben nicht Füttern) gut kontrollieren.

physa

Bild: Peter Maguire

Insbesondere farbige Posthornschnecken sind allerdings sehr attraktiv. Es gibt mittlerweile reinerbige Stämme in blaurötlich-orangepink, … (und die gewöhnlichen braunen natürlich auch). Farbige Posthornschnecken lassen sich auch gut abgeben, wenn’s doch mal zu viele werden sollten. Nur die braunen wird man nicht ganz so leicht los, es sei denn als Futterschnecken für Kugelfische, Schmerlen, Krebse, Krabben oder Raubschnecken 

Ebenfalls zu den Planorbidae gehört die Zierliche Tellerschnecke (Anisus vorticulus). Diese winzige Schnecke ist in der Natur an vielen Stellen vom Aussterben bedroht. Im Aquarium fällt sie aufgrund ihrer geringen Größe von nur 5 mm nicht sonderlich auf, oft entdeckt man sie erst, wenn sie an der Scheibe sitzt. Von jungen Posthornschnecken kann man sie recht gut unterscheiden. Bei der Tellerschnecke liegt das Gehäuse, bei Posthornschnecken (auch schon bei sehr jungen Tieren) steht es mehr oder weniger senkrecht zum Fuß.

tellerschnecke

Bild: Simone Meier

Eine andere sehr kleine, unauffällige Schnecke ist Ferrissia fragilis, die Zerbrechliche Mützenschnecke. Auch sie fällt eigentlich erst dann auf, wenn sie Algen von der Scheibe abgrast.

ferrissia-fragilis

Bild: Simone Meier

Turmdeckelschnecken halte ich persönlich eigentlich fast schon für ein Muss in jedem Aquarium. Sie fressen Futterreste und graben den Boden um, so dass nichts so schnell gammelt. Auch Turmdeckelschnecken neigen bei guter Fütterung zur Massenvermehrung, lassen sich aber recht gut abgeben.

tds

Bild: Peter Maguire

Unter den meist absichtlich eingesetzen Schnecken wäre als erstes die Kahnschnecke (Theodoxus sp.) zu nennen. Sie ist die einzige Neritide, die sich im Süßwasser in unseren Aquarien vermehrt. Da sie so gut wie gar nicht an Kunstfutter geht, muss das Becken viel Aufwuchs aufweisen und entsprechend gut beleuchtet sein. Die Eikokons, die bis zum Schlupf an Silikonnähten, Steinen und Holz im Becken pappen, muss man eben in Kauf nehmen.

kahnschnecken5

Bild: Monika Wagner

Im Gegensatz zur kleinen Kahnschnecke sind Apfelschnecken sehr imposant. Achtung, alles außer Pomacea diffusa (vormals bridgesii) geht an Pflanzen! P. diffusa gibt es unter anderem in gelbweißblaurosa gestreift, und selten auch die braune Wildform. Apfelschnecken lassen sich in ihrer Vermehrung gut kontrollieren – diffusa legt ihre Eitrauben außerhalb des Wassers ab (Achtung: Becken gut abdecken und ca. 7 bis 10 cm Rand bis zur Wasseroberfläche lassen!). Die Gelege kann man einfach absammeln, sollten es zu viele Schnecken werden.

Insbesondere die nicht gelben Farbschläge sind sehr attraktiv. Leider ist die Vermehrung und Verbreitung aller Apfelschnecken des Genus Pomacea seit dem 8.11.2012 in der gesamten EU verboten.

Wunderschön, aber Rasenmäher: Paradiesschnecken (Marisa cornuarietis) sind radikale Pflanzenfresser und sollten aufgrund ihrer hohen Vermehrungsraten in größeren Becken gehalten werden. Sie legen im Gegensatz zu anderen Apfelschnecken ihre Eier unterhalb der Wasseroberfläche ab. Auch Asolene spixi geht an Pflanzen, hier gehen allerdings die Berichte auseinander (von absolutem Kahlschlag bis zu zurückhaltendem Lochfraß ist alles zu finden).

Ein Apfelschneckenbecken sollte nicht zu kühl sein – bei mir haben sie sich bei über 22 °C deutlich wohler gefühlt als darunter.

Wer keine Apfelschnecken mag, kann auf eine Viviparus-Art (Stumpfe Flussdeckelschnecke, Viviparus viviparus) zurückgreifen. Es werden noch weitere der Art im Link sehr ähnliche Arten angeboten. Als Kaltwassertiere kommen sie mit niedrigeren Temperaturen besser zurecht als die Apfelschnecks. 24 °C ist allerdings die absolute Obergrenze, diese Temperatur sollte auch nicht allzulange im Becken vorherrschen. Viviparus ernährt sich teilweise filtrierend, das sollte bei der Fütterung beachtet werden.

viviparus-viviparus

Bild: Oliver Mengedoht

Pianoschnecken (Taia naticoides) gehören ebenfalls zu den Vivipariden, werden aber nicht ganz so groß wie Viviparus und brauchen es etwas kuscheliger (über 22 °C). Sie gehören ebenfalls zu den Filtrierern, sollten also regelmäßig Staubfutter bekommen. Pianos eignen sich nicht zur Vergesellschaftung, die werden schnell unterdrückt und verhungern.

Brotia sind zwar sehr schön, für die Aquarienhaltung eignet sich allerdings nur Brotia herculea (und auch sie nur bedingt). Sie vermehrt sich unter Umständen im Aquarium, allerdings kaum so stark, dass die Population sich hält. Diese Schnecken sind ebenfalls Fitrierer und brauchen regelmäßig Staubfutter. Sie sitzen gern etwas wärmer, so um die 24 °C.

In stärker beheizten Becken ab 54 Liter aufwärts sind auch diverse Tylomelania-Arten ein echter Hingucker. Der pH sollte in jedem Fall bei 7,5 oder höher liegen, Temperaturen ab 25 – 26 °C sind für Tylos ideal. Einige Arten sind absolute Rasenmäher, andere gehen gar nicht an Pflanzen.

tylomelania-sp-yellow-1

Bild: Chris Lukhaup

Zuguterletzt möchte ich noch die Raubschnecke (Anentome helena) anführen. Fast schon reflexartig wird sie als Schneckenfresser bei „Schneckenplagen“ empfohlen. Bedenken sollte man allerdings – Raubschnecken gehen nicht an sehr kleine Schnecken, und bei guter Haltung vermehren sie sich stark. Der Ursache für eine Schneckenplage (großes Futterangebot, sei es durch Flockenfutter, eine Algenplage oder absterbende Pflanzenteile) kommt man durch den Einsatz von Raubschnecken nicht bei – und ohne Verbraucher kann sich gammelndes Futter SEHR nachteilig auf die Wasserqualität auswirken. Gibt es keine Futterschnecken mehr, kommt die Raubschnecke auch mit proteinhaltigen Futtertabletten wunderbar klar. Lebendfutter ist aber – wie eigentlich immer – zu bevorzugen.

Haltung

Schnecken sollten im Becken nicht nur Naturkies, sondern auch einen Sandteil zum Buddeln und Wühlen vorfinden. Einige Arten mögen es, sich einzugraben. Ein Schneckenbecken mit großen Schnecken sollte nicht zu dicht bepflanzt sein, sonst tun sich die Tiere mit ihren großen Gehäusen recht schwer beim Hindernislauf. Auf Holz kriechen sie immer gerne herum, da finden sie auch immer Aufwuchs zum Fressen. Auch Steine (Achtung, keine scharfen Kanten!) werden gerne beweidet. Trockenes Herbstlaub sollte in einem Wirbellosenbecken ebenfalls nicht fehlen, für viele Schnecken stellt es in der Natur die Hauptnahrung dar.

Ein leistungsfähiger Filter ist Pflicht, Schnecken (besonders die großen) können ordentlich Dreck machen und das Wasser entsprechend belasten. Ein Innenfilter sollte nicht zu viel Dampf haben bzw. mit einer Socke sicher gemacht werden. Mir hat einmal eine eigentlich kleine Strömungspumpe eine ausgewachsene Apfelschnecke aus dem Haus gezogen, das war kein schöner Anblick!

Bei Rasenmäherschnecken ist Nixkraut, Hornkraut oder Wasserpest empfehlenswert. Diese Pflanzen wachsen schnell, und es ist nicht sonderlich schlimm, wenn Teile vertilgt werden. Auch Vallisnerien werden oft verschmäht. Außer Pogstemon helferi eignen sich für ein Nicht-Rasenmäherschnecken-Becken eigentlich alle Pflanzen, P. helferi wird oft sogar von den Posthörnchen gefressen. Sie ist wohl nicht nur besonders lecker, sondern auch weich genug.

Pflanzen sollten vor dem Einsatz in einem Wirbellosenbecken mindestens zwei Wochen wässern, Schnecken reagieren auf Schwermetalle und Pestizide so empfindlich wie Garnelen. Täglich das Wässer-Wasser wechseln!

Schnecken nehmen – anders als Garnelen – auch Mineralstoffe aus dem Wasser auf. Eine große Apfelschnecke kann die GH innerhalb wenigen Tagen empfindlich senken! Dem sollte man vorbeugen, am besten durch die Gabe von Kalzium in Form von zerdrückten Eierschalen, Korallenbruch, Kalksteinen oder auch einer Sepiaschale (Zoobedarf, Ziervögel-Zubehör, Achtung, parfümierte Sepiaschalen eignen sich natürlich nicht! Sepiaschalen wirken schwächer als die vorgenannten Dinge). Auch Heilerde wird sehr gerne genommen, sie enthält ebenfalls viele Mineralien, die Schnecken brauchen.

Ansonsten ist an Futter z.B. Spinat gut, auch Brennessel (getrocket oder überbrüht). Zucchini, Gurke und Kürbis wird ebenfalls gern genommen. Achtung: Gemüse immer schälen und überbrühen!

Als Allesfresser verschmähen die Tiere auch Proteinhaltiges nicht. Raubschnecken benötigen tierische Kost.

Bitte hier entlang zur ausführlichen Futterliste.

pomacea-diffusa-0a_1024

Bild: Chris Lukhaup

Fragen, Anmerkungen, Diskussionsbedarf? Bitte hier entlang zur Forendiskussion.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *