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Clea helena kein reiner Schneckenfresser

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Bild: Steven Skwit

Schon lange liest man immer wieder in Foren und Gruppen, dass Clea (Anentome) helena zwar ein sehr effektiver Schneckenfresser ist, aber eben nicht nur an Schnecken geht, sondern auch ab und zu an lebende Garnelen.

Meist wird diese Beobachtung recht vorschnell abgetan – immerhin sind Garnelen deutlich schneller als Schnecken, also passt die Theorie rein von der logischen Seite her betrachtet nicht. Wie soll eine langsame Schnecke eine flinke Garnele jagen und fressen?

Hinzu kommt, dass Clea helena kein reiner Räuber ist, sondern auch sehr gerne Aas frisst. Tote Garnelen sind ihr immer eine willkommene Mahlzeit.

Allerdings häufen sich die Berichte auch international mit der Zeit zu stark, als dass man sie einfach so abtun könnte. Was also ist dran an diesen Beobachtungen?

Roland Emmenlauer schreibt zu diesem Thema:

Ein einziges Mal haben wir tatsächlich zu zweit beobachtet, wie eine Clea helena sich einer scheinbar gesunden Red-Fire-Garnele von hinten näherte. Die Red Fire lief langsam über den Kies und nahm Nahrung auf. Sie wirkte normal und nicht eingeschränkt.

Die Raubschnecke kroch seitlich an der Garnele entlang, legte sich dann in Zeitlupe auf die Seite und kroch ihr auf die Beine. Die Garnele schien das nicht als Gefahr wahrzunehmen. Wir auch nicht, sonst hätte ich das gefilmt. Als wir kapiert haben, was da vor sich geht, war es schon zu spät.

Als ich den Fotoapparat bereit hatte, konnte ich noch sehen, wie die Schnecke die Garnele runtergezogen hat und ein rosa Rüssel (nicht das Riechorgan) zuckend in die Garnele eingedrungen ist. Die hat noch eine Weile gezappelt. Da hab ich dann draufgedrückt.

Ich weiß, dass ich nicht der einzige bin, der das gesehen hat, aber ich habe keinen missionarischen Eifer. Mir ist auch recht egal, ob mir das jemand glaubt oder nicht, ich bin nur heute sehr viel zurückhaltender mit „kann ja gar nicht sein!“ Hab ich nämlich früher auch so abgetan.

Ob das Tier geschwächt war, weiß ich nicht. Ich hatte aber zu der Zeit weder kranke noch sonst auffällige Garnelen in dem gut laufenden Becken.

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Bild: Roland Emmenlauer

Eine Theorie, die den mangelnden Fluchtreflex vieler Garnelen erklären könnte, besagt, dass Garnelen Schnecken nicht als Fressfeinde kennen, weil sie in den Habitaten nicht mit Raubschnecken in Kontakt kommen. Wer schon einmal beobachtet hat, wie seelenruhig Garnelen selbst große Schnecken wie Apfelschnecken über sich kriechen lassen, ohne auch nur mit einem Beinchen zu zucken, wird sie bestätigt sehen. Bis die Garnele bemerkt, dass die Schnecke ihr Böses will, ist es zu spät, und sie kommt nicht mehr weg.

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Bild: Steven Skwit

Der rosa Rüssel, den Roland Emmenlauer beschreibt, dient Clea helena als Fresswerkzeug. Damit sondert sie ein sehr saures Sekret ab, das die Futtertiere innerlich auflöst, sodass die Schnecke diese Lösung dann einfach einschlürfen kann. Am Schluss bleibt ein leeres Schneckenhaus – oder eine leere Garnelenhaut mit einigen wenigen Resten. Von einem Häutungsrest lässt sich dieser Rest recht einfach unterscheiden – es fehlt der Spalt hinter dem Carapax, durch den die Garnele bei der Häutung „aussteigt“.

Zum Thema „Clea helena frisst lebende Garnelen“ wäre noch anzumerken, dass die Raubschnecke wohl ab und an tatsächlich an lebende Garnelen gehen mag, aber für Massensterben sicherlich nicht verantwortlich zu machen ist. Es handelt sich in der Regel wirklich um Einzelfälle.

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