Allgemein Neues Wirbellose

Der Dead Shrimp Blues – viele Süßwasserarten gefährdet

caridina-woltareckae-2576
Caridina woltereckae

“I woke up this mornin‘ and all my shrimps was dead and gone (als ich heute morgen aufwachte, waren alle meine Garnelen tot, verschwunden)”, sang der legendäre Bluesmusiker Robert Johnson schon 1937. Dieser Text findet seine Entsprechung nun traurigerweise heute in unserer Realität, wie eine Studie belegt, die vom Oxford University Museum of Natural History und der International Union for Conservation of Nature (IUCN) durchgeführt wurde.

Laut der IUCN Red List of Threatened Species sind beinahe 28% der 763 bekannten Süßwassergarnelenarten der Welt vom Aussterben bedroht. Diese Tiere stellen für einige der weltweit ärmsten Bevölkerungsgruppen einen großen Teil ihrer Lebensgrundlage dar. Die Studie beinhaltet wichtige Hinweise zum Schutz der Tiere, darin eingeschlossen sind die Notwendigkeit, die Prinzipien des integrierten Wasserressourcenmanagement einzuführen (IWRM), Konzepte zur Nutzung ökologischer Restwassermengen und umfangreiche Abschätzungen zu Auswirkungen auf die Umwelt und Soziales (EISAs), damit sichergestellt werden kann, dass die biologische Vielfalt im Süßwasser in Entscheidungsfindungsprozesse einfließt, die Süßwasser-Gewässersysteme betreffen.

Süßwassergarnelen sind hauptsächlich bedroht durch aus Siedlungen und aus der Landwirtschaft resultierende Gewässerverschmutzung, Störungen und das Eindringen von Menschen in die Habitate (was vor allem höhlenbewohnende Arten betrifft), die Einschleppung invasiver Arten, Dämme und Entwässerungsprojekte und den Bergbau. Besonders zu erwähnen ist auch die Entnahme von wilden Garnelen aus der Natur für die Aquaristik, die insbesondere für die farbenprächtigen Tiere aus den Alten Seen auf Sulawesi eine ernsthafte Bedrohung darstellt.

img_9440
Euryrhynchus amazoniensis

„Süßwassergarnelen werden teilweise sehr intensiv befischt, weil sie insbesondere für die ärmsten Bevölkerungsgruppen in den Tropen eine gute Nahrungsquelle darstellen. In diesen Gegenden dominieren Garnelen oft die Biomasse in den Gewässern und spielen damit eine Schlüsselrolle bei der Regulierung vieler Vorgänge im Ökosystem,“ so der Hauptautor Sammy De Grave vom Oxford University Museum of Natural History. “Man weiß jedoch immer noch nur sehr wenig über die Auswirkungen, die ein Verlust dieser Arten auf das Ökosystem hätte.“

Zwei Arten, nämlich die Pasadenagarnele (Syncaris pasadenae) aus Kalifornien und Macrobrachium leptodactylus von der Insel Java, wurden als „ausgestorben“ klassifiziert. Weitere zehn Arten sind „möglicherweise ausgestorben“, hier bedarf es jedoch weiterer Feldstudien, um diesen Status zu bestätigen. Einige von ihnen sind nur von einem einzigen Standort wie einer Höhle oder einem Bach bekannt, der sich im Lauf der Zeit stark zum Negativen verändert hat. Diese Arten wurden seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet. Macrobrachium purpureamanus beispielsweise ist nur aus Torfsümpfen auf der Insel Kundur im Riau-Archipel (Indonesien) beschrieben. In dieser Gegend wurde von 1998 an flächendeckend eine Ölpalmenplantage angelegt.

Im Zuge des Forschungsauftrags, der Daten über die Verbreitung aller Arten einschloss, fand sich in den Westghats in Indien, auf Madagaskar, in der Zone um das Guyana-Schild, im Oberlauf des Amazonas, auf Sulawesi und in Indochina eine besonders hohe Artenvielfalt. Zusätzlich wurden in Karstgebieten in China, auf der westlichen Balkan-Halbinsel, auf den Philippinen und Kuba besonders viele höhlenbewohnende Arten gefunden.

c-trifasciata
Caridina trifasciata

Obwohl es auf der ganzen Welt gefährdete Arten gibt, ist ihre Zahl auf Sulawesi (Indonesien), Kuba, den Philippinen und in Südchina besonders hoch. Viele dieser Arten leben ebenfalls ausschließlich in Höhlen. Außer den höhlenbewohnenden Spezies sind auch Arten, deren Lebensraum sich auf Seen oder Quelltöpfe beschränkt, eher gefährdet. Die Alabama-Höhlengarnele (Palaemonias alabamae) beispielsweise, eine Spezies, die als „gefährdet“ eingestuft wird, wurde bisher lediglich in vier Höhlensystemen in Alabama nachgewiesen, die allesamt durch Grundwasserentnahmen und Habitatveränderungen akut bedroht sind.

Für 37%  der Arten, die in dieser Studie bewertet wurden, lagen nicht ausreichend Informationen vor, daher konnte über ihren Gefährdungsstatus keine Aussage getroffen werden. Sie wurden als „DD (Data deficient – Daten mangelhaft)“ eingestuft. Dies ist besonders bei Arten aus China und Afrika der Fall. In diesen Weltgegenden ist die Artenvielfalt ebenfalls sehr hoch, daher ist die gegenwärtig angenommene Anzahl von gefährdeten Spezies mit hoher Sicherheit viel zu niedrig geschätzt. Die Autoren empfehlen dringend Feldstudien, damit die Lebensweise möglichst vieler Arten, ihr Bedrohungsstatus und ihre Verbreitung besser erforscht werden können. Dies gilt insbesondere für Spezies, die für die Larvalentwicklung Meer- oder Brackwasserhabitate benötigen.

c-blacki-2
Cambarellus blacki

„Die starke Bedrohung, die das Team für viele Süßwassergarnelenarten konstatiert hat, gilt ebenfalls für Süßwasserkrabben und Flusskrebse. Die Studien über die Fauna aus aller Welt werfen ein Schlaglicht auf den ungewissen Status von Süßwasserwirbellosen überall auf dem Globus,“ so Neil Cumberlidge, Vorstand der IUCN Species Survival Commission (SSC) Freshwater Crustacean Specialist Group (Spezialistengruppe für Süßwasserkrebstiere der IUCN-Kommission für Artenerhaltung). “Leider wird der Tatsache, dass diese wichtigen Arten möglicherweise aussterben, oft nicht genügend Rechnung getragen. Alle bekannten Informationen über die bedrohten Crustaceen des Süßwassers sind über die Rote Liste der IUCN abrufbar. Sie müssen in die Entscheidungsfindungprozesse aller Ebenen einfließen, wenn wir die sich schnell verschlechternden Süßwasserhabitate und ihre faszinierenden und stark bedrohten Bewohner noch schützen wollen.“

An der Studie Dead Shrimp Blues: A global assessment of extinction risk in freshwater shrimp (Decapoda: Caridea) arbeiteten Forscher aus Großbritannien, Australien, Österreich, Brasilien, Indonesien, Mexiko, Singapur und Taiwan mit. Sie wurde am 25. März 2015 im Journal PLOSONE veröffentlicht.

Links zum Thema:

Read the full paper here
IUCN Freshwater Biodiversity Unit

Link zum Originalartikel:

Dead Shrimp Blues – the imperilled status of freshwater shrimps

Übersetzung: Ulli Bauer
Quelle: The IUCN Red List of Threatened Species (www.iucnredlist.org)
Bilder: Chris Lukhaup

Ein Kommentar

  1. Ich würde sehr gerne zum Erhalt der Shrimp Population beitragen.. Ich habe viele kleine Aquarien und in denen tummeln sich viele Arten.. Es ist für mich einfach nur eine Freude diesen kleinen Krabblern beim suchen und wühlen zuzusehen..Es beruhigt mich.. Es ist traurig das wir Menschen einfach nicht lernen mit der Natur so umzugehen, wie sie mit uns umgeht. nämlich GUT… wenn die Natur den Löffel abgibt wird der Mensch (Parasit) sogar weiter leben denn wir sind anpassungsfähig in jeder Hinsicht.. Eine Öl-Palmen-Plantage hinzubauen ohne Rücksicht auf das Umfeld, Eine Autobahn quer durch die Serengeti (in Planung) und auch die Zerstörung unserer Meere!!!!! Wir sind selbst Schuld wenn Mutter Natur sagen würde: KINDER ES REICHT. ICH KANN NICHT MEHR !!!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *