Schnecken Wirbellose Wissen

Und sie dreht sich doch …

Das Gerücht, dass Nixenschnecken (Neritidae) wie zum Beispiel Renn-, Kahn– oder Kronenschnecken sich nicht selbstständig umdrehen können und deshalb zum Tode verurteilt sind, wenn sie aufs Häuschen fallen, hält sich sehr hartnäckig. Zwar beweisen Hunderte Rennschnecken, die sich sehr wohl in Aquarien umdrehen, das Gegenteil, trotzdem hört man den Hinweis immer wieder. Begründet wird die Theorie mit den anatomischen Gegebenheiten der Tiere, sprich, ihrem Fuß, der tatsächlich recht kurz ist.

In der Tat drehen sich Neritiden nicht schnell und nicht gut, aber sie drehen sich. Alles andere wäre evolutionärer Unfug, zumal die Schnecke aufgrund ihres Schwerpunkts mit dem Gehäuse zuerst fällt. Könnte sie sich nicht drehen, wäre sie in der Natur zum Tode verurteilt.

Das Gerücht hat jedoch einen wahren Kern: Eine schwache Rennschnecke kann sich in der Tat nicht umdrehen, und die Tiere, die frisch importiert werden, sind in der Regel alles andere als fit.

In ihren Herkunftsländern werden sie in der Regel wie folgt „geerntet“: Die Steine, auf denen die Schnecken sehr fest haften, werden aus den Bächen genommen und in die pralle Sonne gelegt. Nach einem halben bis einem ganzen Tag geht der Sammler nochmals durch und sammelt die Schnecken ein, die in der brütenden Hitze losgelassen und sich zugedeckelt haben. Dann werden sie zwischengehältert und irgendwann auf den langen Transport geschickt. Zum Stress des Einsammelns und des mehrfachen Umsetzens in andere Wasserwerte kommt noch hinzu, dass die Tiere auf dem langen Weg nicht artgerecht gefüttert werden (können) und demnach ziemlich ausgehungert hier bei uns ankommen. Dass eine solche Schnecke sehr schlechte Karten hat, wenn sie aufs Häuschen fällt, dürfte auf der Hand liegen.

Eine gut im Futter stehende, gesunde Rennschnecke hat dagegen in dieser Hinsicht keine Probleme. Es sieht nicht immer sonderlich elegant aus und dauert manchmal auch eine Weile, aber sie dreht sich früher oder später – nach ein wenig Gewackel und etwas ausprobieren, auf welcher Seite sie müheloser herumkommt.
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